Dienstag, 6. Juli 2010
2.7.10 Kutaisi
Wir schlafen aus und bekommen dann ein schönes Frühstück: zwei Sorten weißes Brot, Katschapuri von gestern, vier Spiegeleier, dicke saure Sahne, Butter, eingelegter Weißkäse, Kornelkirschenmarmelade, Tee, Yogurt. Wir fragen die Oma, ob sie uns ein Taxi besorgen kann, um nach Gelati und Motsameta zu fahren. Die Oma geht sofort ans Werk und schon bald fährt das Taxi vor. Wir müssen das Frühstück abbrechen und los geht es. Erst fahren wir durch die grünen Hügel in das nicht weit entfernte Gelati, Kloster und Akademie (UNESCO-Weltkulturerbe). Beides wurde 1106-25 von Dawit dem Erbauer errichtet, der hier auch begraben ist. Er lud nahmhafte Gelehrte ein und schon bald hatte die Akademie einen guten Ruf und belebte das georgische Geistesleben. Die Hauptkirche, die Muttergotteskirche, ist die Attraktion mit ihren Fresken aus verschiedenen Jahrhunderten. Sie ist wunderschön und ehrwürdig. Eine weitere, kleinere Kirche (Nikolaikirche) gehört auch noch zu dem Komplex. In Gelati sind wichtige georgische Könige begraben: Dawit der Erbauer, Königin Tamar und König Bagrat III von Imeretien. Das Kloster wurde 1922 von den Kommunisten im Rahmen der antireligiösen Kampagne geschlossen und erst 1988 wieder als Kloster eingeweiht. Sakaschwilli hat hier seine Amtseinführung als Präsident zelebriert. Was für ein Zeichen. Danach geht es ins ebenfalls wunderbar gelegene Kloster Motsameta. Es befindet sich oben an einer Steilklippe über einer Windung des unten fließenden Tskhaltsitela-Flusses gelegen. Im Jahre 642 fielen die Araber hier erstmals und im Jahre 735 erneut ein. Die beiden Fürstensöhne David und Konstantin Mcheidse sammelten Streitkräfte, um gegen die Araber zu kämpfen, verloren aber und wurden beide getötet. Ihr Leichnam wurde hier beigesetzt und zum Gedenker dieser beiden Märtyrer die Kirche erbaut. Ihre beiden Schädel sind hier als Reliquien zu sehen. Das Kloster ist bis auf seine Lage unspektakulär. Danach fahren wir zurück in die Stadt und lassen uns bei der Bagrati-Kathedrale absetzen. Auch sie ist UNESCO-Weltkulturerbe, man versteht aber nicht warum. Es handelt sich um die Ruine einer ehedem großen Kathedrale aus dem 11. Jhd.. Kuppel und Dach wurden 1692 bei einem Angriff der Osmanen zerstört. Das Gebäude ist eingerüstet und wird teilweise restauriert. Dahinter befinden sich Reste der Palast-Zitadelle der Stadt. Von den Überresten hat man einen schönen Blick auf die breite Flußlandschaft mit einem älteren Wasserkraftwerk und den grünen Hügeln. Bei jeder kleinen Anstrengung bricht einem der Schweiß aus. Das liegt an dem subtropischen Klima hier und dem Einfluß der Schwarzmeerküste. Hier wachsen Bananen und Kaki in den Gärten. Gehen noch in die intakte Georgskirche und dann runter in die Stadt. Trinken dort Wasser und türkischen Mokka. Am Nebentisch sitzen vier junge Männer, die uns schließlich ansprechen und fragen, ob sie uns irgendwie behilflich sein können. Sehr nett. Schließlich schlendern wir dann weiter durch die Stadt mit ihren vielen kleinen bis winzigen Läden und Ständen, in denen oft eine sehr übersichtliche Zahl von Artikeln verkauft wird. Eine Unzahl von Broterwerbern hat so scheinbar ihr Auskommen. Große Kaufhäuser, Boutiquen, Supermärkte, Buchläden, so wie wir das kennen, gibt es (fast) gar nicht. Man könnt in der Umgebung noch die Grabungsstätte Wani mit Museum anschauen. Wani war wahrscheinlich eine Tempelstadt, was man aber gar nicht genau weiß. Jedenfalls wurden hier legendäre Goldarbeiten aus dem 8. bis 4. Jh. gefunden. Die Goldschmiedekunst aus Kolchis scheint sehr hoch entwickelt gewesen zu sein und stellt keine Kopie der skytischen Meister oder der Goldschmiedekunst der Griechen und Perser dar. Die prächtigen Funde belebten den Mythos um das Gold von Kolchis und das Goldene Vlies. Nicht gesehen haben wir auch den Saurierfußabdruck im Naturschutzpark Sataplia. Genießen einen Nachmittag und Abend auf der Terasse, waschen Wäsche, beobachten ein Schwalbennest mit drei Jungen über der Tür, gucken dem Treiben vor den Häusern zu. Unsere kluge Oma schlägt uns von sich aus vor, uns mit einem Lada Niva (Vierradantrieb) morgen von Kutaisi nach Mestia im großen Kaukasus bringen zu lassen (für 250 Lari). Bis Zugdidi ist es eine normale Straße, dann geht es 5-6h hoch in die Berge. Wir überlegen ein Weilchen, nehmen aber schließlich an. Zum Abendessen gibt es neben einem 70%igen Obstler Huhn, Bratkartoffeln, Aubergine mit Walnußfüllung, Salat aus Gurke und Tomate, kleine gebratene Würstchen und gefüllte Teigzigarren. Unsrer Oma setzt sich zu uns und eine gebrochene Unterhaltung entspinnt sich. Sie ist 72 Jahre alt und ihr Mann 79 Jahre, sie war Buchhalterin, er Ingenieur. Beide bekommen eine Pension von je 90 Lari pro Monat. Nun werkelt sie von früh bis spät in ihrer kleinen Pension zusammen mit der Tochter. Sie erklärt: gibt es wieder “bum, bum” (Unruhen), dann “no tourists”, bleiben die Touristen weg. Ein sensibles Geschäft in einem Land wie Georgien.
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