Freitag, 9. Juli 2010

8.7.10 Kutaisi

Wir haben unseren Fahrer um neun Uhr bestellt. Mikel betet auf der Terrasse. Am rechten Arm vom Zeigefinger über Hand, Unterarm bis zum Oberarm hat er die Gebetsriemen gebunden. An der Oberarminnenseite sitzt die Kapsel mit Zitaten der heiligen Schrift. Auf dem Kopf sitzt auch eine Kapsel mit vier Kammern und in jeder steht etwas aus der heiligen Schrift. Die Kapsel ist auf den Kopf gebunden, der Knoten sitzt im Nacken. Dazu trägt er einen weißen, feierlichen Umhang. Er sieht wirklich bemerkenswert aus. Er hat die Bibel in den Händen. Er wirkte unverkrampft, es störte ihn nicht, wenn man an im Vorbeigehen grüßt oder guckt. Dreimal täglich betet er. Wir frühstücken mit den netten Briten, die gleich los wollen, um Vögel zu beobachten, obwohl ihnen die Füße von gestern noch schmerzen und dem Päarchen aus Israel, die heute nach Ushguli fahren wollen und von dort in vier Tagen zurückwandern wollen nach Mestia. “You can also do it”. Ok. Es gibt: Katschapuri (gibt es fast immer), Brot, Küchlein, Spiegeleier, Yogurt, dünnen schwarzen Tee. Danach herzlicher Abschied von der ganzen Familie (Eka Chartolani, Vittorio Sella Street 8). Wir und sie bringen zum Ausdruck, wie lieb wir einander geworden sind und das stimmt. Wir sollen wiederkommen. Der Fahrer kommt und Eka begleitet uns runter an die Straße, wo der große Hilux steht. Das Auto hat das Lenkrad rechts. Nervtötende 4 Stunden rumpeln wir über die Straße, von Schlagloch zu Schlagloch und Pfütze zu Pfütze, vorbei an so manchem kleinen Hindernis aus Stein und Geröll und Wasser, mehrere Autos stehen mit geplatzten Reifen oder Pannen am Straßenrand und werden repariert. Die Wassermengen von den Bergen haben hier und da zu kleinen Erdrutschen geführt, im Stausee treibt massenhaft Holz. Unser Mann wischt sich immer wieder den Schweiß ab. Einmal halten wir und trinken Kaffee und essen Katschapuri, von Mücken zerstochene Kinder spielen am Haus und fast zahnlose, aber erst mittelalte Frauen schmeißen den Laden. In Zugdidi bringt uns unser Mann zum Marschrutki nach Kutaisi und fährt dann wieder zurück nach Mestia - der Arme. Wir zahlen ihm die 200 Lari, was die Sache allemal wert war. In dem Marschrutki ist es wie immer fast unerträglich eng und warm und voll und langsam. Die 95 km wollen nicht enden. Dauernd hält der Wagen und Leute steigen zu und aus. Georgien wirkt bis auf wenige Ausnahmen dörflich, überall recht schöne alleinstehende Häuser in großen üppigen Gärten mit blühendem Oleander, Bananen, Palmen, Walnuß-, Feigen-, Maulbeer-, Granatapfelbäumen. Die Häuser sind meist ein bißchen renovierungsbedürftig, aber irgendwie luftig, hell, gepflegt, großzügig, mediteran und schön fürs Auge mit großen Veranden und schmiedeeisernen Balkonen und Dachverzierungen. Schweißklebend und dösend vergehen mehr als zwei Stunden, bevor uns der Marschrutki wieder entläßt. Bedrängt von Taxifahrern, die ihre Hilfe anbieten, ziehen wir mit unserem Gepäck zunächst zur Bank und ziehen Geld. In der kühlen Bank kann man wieder einen klaren Gedanken fassen und wir planen, das Hotel Gelati zu versuchen. Nur mit Hilfe eines Bankbeamten, der herauskommt und ein bißchen Englisch spricht und unserem Stadtplan können wir dem Taxifahrer klar machen, wohin wir wollen. Weder gelesen in unserem Führer, noch ausgesprochen von uns, versteht er wohin die Reise gehen soll, dabei haben wir die komplette Adresse. Er fährt schließlich in die richtige Richtung, entlang trostloser Wohnblocks auf zerstörten Straßen und bietet uns als erstes Ziel Lias Guesthouse an. Wir zahlen das Taxi und schauen uns die Sache an, die von außen recht ansprechend wirkt. Das Zimmer ist indiskutabel, wir weigern uns, Zimmer ohne Fenster (zugebaut) zu nehmen. Das Hotel Gelati soll in der Nähe sein und wir ziehen durch die Straßen und fragen hier und da. Nach einigem Suchen finden wir das Hotel in einer Nebenstraße. Es wirkt akzeptabel, wenn auch dunkel, ist aber leider voll. Es scheint so zu sein, dass es in der zweitgrößten georgischen Stadt nur eine kleine handvoll Hotels mittlerer Größe (ca. 10 Zimmer) gibt, von Sternen ganz zu schweigen, ansonsten nur eine Art Pensionen. Wir entscheiden schweißnaß wieder zu unserem bewährten Hotel Beka zu gehen. Mine tropft der Schweiß aus dem Haar als wir erneut einem Taxifahrer versuchen zu erklären, wohin wir wollen. Schließlich fahren wir einfach los und erklären ihm per Handzeichen, wo entlang er fahren soll. Wir kennen ja den Weg. Er lacht über die ungewöhnliche Situation. Wir werden freundlich im Hotel Beka empfangen und stehen schon bald auf der luftigen Terrasse und unter der Dusche. Essen ganz in Ruhe und trinken hausgemachten Wein. Steve aus Florida unterhält uns und ein tschechisches Paar mit Kindern sind auch hier. Nebenan probt ein toller kleiner Chor polyphon. Mit Hilfe der Oma des Hauses finden wir heraus wann morgen der Zug nach Tbilisi geht. Es sind nur 220km, aber wir wollen uns den Kleinbus ersparen. Der Abend ist wunderbar.

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