Dienstag, 15. Juni 2010
14.6.10 Reisetag
Heute hat meine und Mines Georgiengeschichte begonnen. Moni hat uns zum 11:06-Zug an den Bahnhof Lemgo gebracht. Von dort ging es über Bielefeld nach Düsseldorf. Um 17:25haben wir den Turkish Airlines Flug nach Istanbul genommen. Wie oft wir jetzt schon dort gelandet sind. Der Landeanflug über die Küstenlinie und der Flughafen, alles ist vertraut. Um 23:30 ging es weiter nach Tibilisi. Ich hatte furchtbar unruhige Beine und habe mich zwei Stunden auf den engen Sitzen gequält und Mine war auch schon ganz still geworden. Während des Fluges kam natürlich nochmals die Frage auf, wie es um 2:30 Ortszeit in Tibilisi mit unserem müden Haupt weitergehen würde. Mine hatte ja Gott sei Dank das Hotel Edelweiss, das jetzt Hotel Edem heißt, angerufen und für uns reserviert. Eine Abholung vom Flughafen konnten sie für uns nicht organisieren und überhaupt sei man ab 5:00 in der Früh da, um uns in Empfang zu nehmen. Bis dahin...Mine geht sicherheitshalber zu den türkischen Stewadessen in den hinteren Teil der Maschine um vorzufühlen, wo sie denn übernachten - leider übernachten sie nicht in Tibilisi. Schade, kein Tip. Es gibt ja jede Menge Luxushotels (Radisson, Sheraton, Mariott), aber die kleineren haben scheinbar nicht rund um die Uhr jemanden an der Rezeption sitzen (täte ich auch nicht). Wir entschließen uns weiter auf das Hotel Edem zu setzen, was uns vielleicht ja doch schon früher als 5 Uhr erwartet (die Flüge landen fast alle zu dieser schrecklichen Zeit). Schnell haben wir unsern Einreisestempel im Paß, ein Visum bräuchten wir nur für längere Aufenthalte und bald schon das Gepäck in der Hand. Auf dem modernen Flughafen ist noch mächtig Betrieb, die Nacht deutet sich hier nicht durch Gemächlichkeit an. Wir ziehen am Automaten mit unserer mirakulösen Sparkassenkarte 300 GEL (GEL = Lari), die wir erstmal neugierig betrachten. 1 Euro = 2,27 Lari. Die Scheine sind sehr geschmackvoll gestaltet, relativ klein, auf jedem Schein findet man Fabelwesen und Menschenköpfe, die man nicht kennt. Die Zahlen sind in arabischen Ziffern angegeben, der Rest ist nicht zu entziffern. Die Schrift ist voller Rundungen, ohne Striche und Ecken, wirkt irgendwie füllig. Wir kommen auf den grandiosen Einfall an die Information zu gehen und bitten die Dame dort für uns in dem Hotel anzurufen (stimmt der Name, den Mine am Telefon verstanden hat, stimmt die Adresse, ist jemand dort?). Jemand ist da - Gott sei Dank. Wir nehmen ein Taxi und fahren mit einem kurdischen Taxifahrer durch das heiße, menschenleere nächtliche Tibilisi. Wir sehen breite Straßen und einige beeindruckende, schöne Gebäude und Plätze, Oper, Philharmonie, Museen und das Parlament. Der Taxifahrer nimmt knapp das Doppelte vom üblichen Preis (wie sich später herausstellt), was wir ihm zögernd aber irgendwie doch freimütig überreichen. Jemand macht das große Hoftor auf, vor dem wir gehalten haben nimmt unsere zwei großen Rucksäcke, schleppt sie wie zwei tote Hasen durchs Treppenhaus hoch. Hinter zwei stattlichen hohen Flügeltüren haben wir ein riesiges Zimmer mit wunderbarem Parkettboden, zwei breiten Betten und weißen Möbeln in echtem gelsenkirchener Barock (endlich kann ich Mine zeigen, was das ist) - original. Das Zimmer und das herrschaftliche Gebäude erinnern mich am ehesten an Budapest. Die Wohngegend ist eher bescheiden, ein opulentes Durcheinander von alten heruntergekommenen Häusern mit kleinem Garten hinter hohen Mauern und verschachtelten Anbauten, wenig entfernt sozialistisch anmutende Hochhäuser, fehlende Bürgersteige, kleine Läden, verwirrende Oberleitungen. Ruhig haben wir es. Eine Vorliebe scheinen die Georgier zu pflegen: große deutsche Wagen (BMW, Mercedes, Audi, Opel), gerne große Geländewagen. Wir duschen und sind überglücklich uns auf unseren schönen Betten ausstrecken zu können.
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