Mittwoch, 30. Juni 2010

29.6.10 Borjomi

Stehen um sieben auf und sollen um 8:30 Uhr an der Touristinformation von einem Marschrutki abgeholt werden. Das klappt auch. Über die Form unserer Reise nach Wardzia wissen wir nicht viel. Wir hatten gehofft andere Touristen zu treffen, was nicht passiert. Bis Achalziche steigen dauernd Leute ein und aus und wir sind wie ein normaler Marschrutki. Hier fahren viele türkische und iranische LKWs zur nahegelegenen türkischen Grenze. Hinter Achalziche sitzen nur noch Mine und ich im Kleinbus und das bleibt so für den Rest der Reise. Hinter Achalziche geht es nochmals ca. 50km bis Wardzia. Wir folgen die ganze Zeit dem Verlauf des Mtkwari (= Kura, fast 1400km langer Fluss, entspringt in der Türkei und fließt in Aserbaidschan ins Kaspische Meer) durch eine sehr schöne Landschaft, ein menschenarmes Tal. Die Straße wird gerade ausgebaut und nur noch zum Teil ist ihr Zustand so schlecht, dass man zwischen den Schlaglöchern hin und hergeworfen wird. Wir halten an der beeindruckenden Khertvisi Festung und klettern hinauf.
Wardzia: In die hoch über dem Mtkwariufer gelegene Felswand ist eine Klosterkomplex in den Tuffstein gehauen. Hier hatte Georgi der Dritte im 12 Jh. eine Festung gebaut. Seine Tochter Königin Tamar etabilierte später hier ein Kloster, in dem wahrscheinlich bis zu 800 Mönche lebten und das zugleich Zufluchtsort für Tausende von Menschen aus den umgebenden Orten bildete. Es sollen 2000 Säle auf 13 Etagen existiert haben. Das Zentrum der Anlage bildet die Kirche zur Himmelfahrt. Der Innenraum ist wunderschön, über und über mit Fresken aus dem 12.Jh. ausgemalt. Besonders schön ist es, wenn alles gefüllt ist mit Bildern (Decke, Wände, Festernischen) wie bei einem Kunstwerk, das das ganze Blatt ausfüllt. Über dem Komplex liegt eine große Hitze und wir kehren erschöpft zu unserem Fahrer zurück. Er fährt uns zurück bis Achalziche, fährt dort zu seiner Tankstelle. Dort dreht er sich zu uns um ” Money for Diesel”. Er bekommt von uns 50 Lari für die Tour. Er tankt 23l für 40 Lari. Kein Wunder, dass er den Wagen rollen läßt, wann immer er kann und dann erst wieder einkuppelt. In Achalziche setzt er uns am Busbahnhof wieder in einen öffentlichen Marschrutki und mit dem fahren wir dann heim. Mittlerweile fühlen wir uns inmitten der Menschen immer wohler, wir bekommen es trotz fehlender Sprache meist hin, uns zu organisieren, werden nie belästigt oder bedrängt und die Menschen sind unaufgeregt und gutmütig und (ganz überwiegend) ehrlich, was sehr angenehm ist. In Borjomi gehen wir auf den kleinen Markt an der Hochbrücke, kaufen Nektarinen, Maulbeeren und Gurken und essen erstmal in unserem Hotelzimmer. Mittlerweile hat sich unser Blick auf Borjomi sehr verändert. Wir haben uns gut eingerichtet und finden an dem ganzen Ort wenig auszusetzen, die kleinen optischen Mängel und Fehltritte stören uns nicht wirklich. Das Klima ist gut, immer mal fallen ein paar Tropfen und kühlen die Hitze ab, dann steigt Nebel von den Bergen auf. Die Natur ist wunderschön und die Stadt muß einmal prächtig gewesen sein mit vielen Villen und allein stehenden Häusern im russischen Stil und dazwischen die hohen alten Bäume, zwischen denen man oft nur die Dächer ausmachen kann. Nur die Damen in unserem Hotel quälen uns ein bißchen. Es ist alles pieksauber, die Teppiche sind zum Teil mit Folien abgedeckt, die Holzbank vor dem Haus wird bei jedem Regenguß abgedeckt und die Folie mit Wäschklammern gestrafft, vor der Tür liegt ein großer Fußabtreter und der Blick unserer Damen fällt immer gleich auf unser Schuhwerk, wenn wir eintreten. Rund ums Haus wird schon morgens gefegt und der Gehsteig besprengt, damit nicht so viel Staub aufs gelbe (empfindliche Farbwahl) Haus kommt. Gegen das unansehnliche Nachbarhaus wurde der Holzzaun nach oben um eine ca. zwei Meter hohe blaue Plane erweitert, das hält Staub und den häßlichen Anblick fern. Wir sind heute wieder die einzigen Gäste und die Angestellten sind weit in der Überzahl. Wir sollen für die Nacht immer im Voraus zahlen und spätestens ab dem Nachmittag schleichen beide Parteien nur noch in Erwartung des Satzes “Lari!?” verbunden mit dem Fingerzeig aufs Büro der Managerin und einem Lächeln, umeinander herum. Dann geben wir brav unsere 120 Lari pro Nacht ab und haben Ruhe bis zum nächsten Tag. Die Damen haben schon zweimal alle Angaben aus unserem Paß mit viel Mühe in georgische Sprache/Schrift übertragen, wir lassen sie werkeln. Nein, wir fühlen uns hier ganz, ganz wohl und geborgen und die Frauen sind ganz süß. Haben heute abend dann einen Versuch unternommen, ein im Führer genanntes und gelobtes Restaurant im Bahnhof aufzusuchen. Es gibt hier aber zwei Bahnhöfe, die wir der Reihe nach inspiziert haben, letzteren nach längerem Marsch dorthin. Der letzte Bahnhof war von seinem ganzen Ambiente irgendwie abwegig in Bezug auf ein gutes Restaurant, wir waren auf einem staubigen Platz umgeben von abgewohnten Wohnblocks mit einem Markt in der Mitte, der halb im halb außerhalb des Bahnhofsgebäudes stattfand. In dem Bahnhof können wir nichts richtig ausmachen, er wirkt irgendwie provisorisch und zweckentfremdet für allerlei Abzustellendes. Wir werden irritiert von den umherstehenden Männern und Frauen betrachtet und machen einen Versuch eine Frau nach dem Restaurant zu fragen. Die gibt sich alle Mühe, schüttelt aber schließlich den Kopf unseren Führer in der Hand. “Idi madloba”, haben Sie vielen Dank. Dazu kommt wieder, daß wir den Namen eines Restaurants im Straßenbild nicht lesen und erkennen können. Unser Führer gibt uns ja immer so etwas wie die Lautschrift in unserer Buchstabenwelt wieder und das macht zum Beispiel unser englischer Führer anders als unser deutscher (z.B. Bordshomi (deutsch) und Borjomi (engl.) oder Chertwisi (deutsch) und Khertvisi (engl.)). Selbst wenn wir jemandem den Namen in unserem Führer zeigen (um ihn nicht so falsch auszusprechen) kann der andere ihn nur mühevoll entziffern und muß dann lange überlegen, was gemeint sein könnte. Wir geben die Sache auf, nehmen ein Taxi und fahren für 3 Lari wieder zurück zu unserm alten Restaurant, in dem wir auch die letzten beiden Abende schon gegessen haben (heute Aubergine mit Wallnüssen, Kebap, gebratene Kartoffeln, Salat, Brot, Bier und Rotwein, Kaffee für 22 Lari). Die Dame, die die Bestellung im Restaurant aufnimmt setzt sich jetzt schon zu uns, da es immer ein bißchen dauert bis wir alles aus unseren Listen zusammengestellt haben. Fühlen uns schon ein bißchen heimisch und das ist wunderbar. Duschen, Wäsche waschen, Blog und dann das schöne weiß bezogene Bett.

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