Donnerstag, 24. Juni 2010

22.6.10 Kasbegi

Nicht erst heute fällt es uns schwer, zu sehen wie sich Luisa bemüht, es uns gut zu machen. Trotzdem sie noch nicht sehr alt ist, wirkt sie doch sehr erschöpft und krank. Dennoch kocht und macht sie den ganzen Tag, bereitet immer mehrere Gerichte zum essen vor. Wir sind ja ihr Broterwerb, das ist nicht schwer zu verstehen und jeder Tag, den wir länger bleiben, weil es uns so gut gefällt, ist für sie und die Ihren ein Gewinn. Wir machen es ihr so leicht wie möglich, aber dennoch sehen wir wie müde sie ist und wie erschöpft dort zwischen ihren vielen Töpfen und Pfannen und Tigeln. Das Wetter ist weiter wechselhaft, zum abend regnet es immer, tagsüber ist es bewölkt und dann wieder kurz sonnig, bisher sind wir mit einigem Glück nie naß geworden. Dennoch haben die Landschaft und die Dörfer etwas vergessenes, unerwecktes, träges, unerfülltes. Viele Menschen (besonders Männer) haben keine Arbeit, Alkohol spielt eine große Rolle, schon vormittags trifft man viele Männer mit schwerer Fahne. Wir sehen hier wenig Gärten außer denen unmittelbar am Haus, die den Menschen ja eine Möglichkeit zu Initiative und Broterwerb wären. Das Land scheint sehr fruchtbar. Wir fantasieren, dass die Menschen die Versorgung durch Rußland im Kleinen wie im Großen gewohnt waren und den Sprung weg vom Nabel nicht gut überstanden haben. Gas war früher hier scheinbar in Hülle und Fülle zu billligen Preisen zu haben. Man sieht in der Landschaft immer wieder eine Pipeline, die wir für eine Gasleitung (aus Rußland) halten. Luisa hat hinter dem Haus ein großes Gewächshaus, das sie immer schön mit Gas beiheizt hat und dort alles mögliche aufziehen konnte. Jetzt ist das nicht mehr möglich, da die Gaspreise so in die Höhe gegangen sind. Sie kocht mit Gas in Flaschen, die sie immer im Nachbarort befüllen muß. Von Heizen spricht hier leider keiner, obwohl es abends frisch wird. Wir haben verstanden, dass hier Warmwasser und Heizung mit Strom aus der Steckdose funktionieren. Vieles reimen wir uns so zusammen und nicht alles wird stimmen, manches schon.
Mine ist heute nicht so gut mit Kopf- und Rückenschmerzen und wir wollen es langsam angehen lassen. Man muß sich immer wieder bremsen und besinnen und nicht zu viel erwarten vom Tag.
Wir gehen über die Brücke und wandern entlang des brausenden Tergi durch die breite Flußlandschaft in Richtung Sioni. Ohne Auto oder Taxi hat man nicht so sehr viele Möglichkeiten zu Touren. Es gibt auch fast keine ausgeschilderten oder markierten Wanderwege. So laufen wir wieder parallel zur Heerstraße, heute in die entgegengesetzte Richtung von gestern. Wir sehen ungemein viele prächtig blühende Wiesen mit einer Vielzahl von wunderbaren Wildblumen. Viele dieser üppigen Wiesen sind umzäunt und wir fragen uns, ob sie geerntet werden und wofür. Wir passieren viele Pfützen auf unserem Weg, in denen munter Kaulquappen schwimmen. Ihr gesamter Entwicklungszyklus scheint in den Pfützen gewährleistet bei dem reichlichen Niederschlag hier in der Gegend und der Größe der Pfützen. Die Kaulquappen müssen im schlechtesten Fall ein bißchen zusammenrücken. Wir sehen einige Wehrtürme, die hier in den Dörfern früher als Unterschlupf und sicherer Ort dienten. In den Orten und Dörfern treffen wir umherlaufende Hühner und robust wirkende kleine Schweine (nicht rosa), viele Rinder. Vor den Hunden hüten wir uns ein bißchen, man will sie nicht beim Bewachen stören. Unterwegs trinken wir in einer unspektakulären Gaststätte Kaffee und Tee. Ein kleiner Lada mit russischem Kennzeichen und drei Männern und einem kleineren Jungen fahren vor. Zwei der Männer spielen wüst mit dem Kind, man sieht nur wie die Körper zwischen Rückbank und Vordersitzen rasch hin- und herwechseln wie beim Fangenspielen. Das Spiel sieht derb aus, aber das Kind lacht. Wir würden uns nicht wundern, wenn der Lada gleich auf der Seite liegt, es ist als wenn Riesen spielen. Irgendwann endet unser Weg zwischen hüfthohen Blumen auf einem kleinen Friedhof. Wir kehren um. Machen ein Picknick und kehren unter trübem Himmel heim.
Können zur Zeit keinen Blog aufgeben, da es hier kein Internetcafe gibt. Wir sehen nur wenige Touristen (bisher ein Kleinbus Japaner/Chinesen, zwei Slowenen, zwei Engländer, zwei Franzosen, einige Südafrikaner, Azeris). Ob die Saison erst noch kommt? Einige Buden scheinen sich zu rüsten so etwas wie ein Cafe zu werden.
Zum Abendessen haben wir heute Suppe mit Huhn, gebratenen Fisch mit Reis, Brot und Bratlinge mit Möhren geraspelt, Fleisch, Kümmel und Fenchel.
Wir rüsten uns für die Abreise morgen. Haben es Luisa schon gesagt (“Könnt Ihr nicht noch einen Tag bleiben”?). Morgen geht es nach Signagi, haben dort schon eine Unterkunft arrangiert.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen