Donnerstag, 24. Juni 2010

20.6.10 Kasbegi

Der Tag beginnt mit einem Blick auf die umliegenden Berge. Wie mag das Wetter sein heute? Der majästetische schneebedeckte Kasbek ist wie immer nicht ganz enthüllt, meist trägt er auf der ein oder anderen Seite ein Wolkenhemd. Ist er ganz frei sieht, man einen Kopf mit zwei Augen, Stirn, einer kräftigen Nase, Lippen, ohne dass man es sich allzusehr einbilden muß. Jeder wartet also darauf, dass der Blick frei wird. Man sieht den kräftigen Gletscher, der sich den Berg hinunterschiebt. Bis dahin werden wir es aber wohl nicht schaffen. Der Kasbek ist 5047 m hoch und ein erloschener Vulkan. Der Sage nach wurde Prometheus an ihn gekettet nachdem er den Göttern das Feuer stahl, um es den Menschen zu bringen. Dort angekettet erschien jeden Tag ein Adler und hackte ihm die Leber aus, die nachts nachwuchs. Viele haben fasziniert über den Kaukasus und den Kasbeck geschrieben u.a. Alexander Puschkin, Michail Lemontow, Andrej Belyi und Fridjof Nansen.
Zum Frühstück gibt es dick geschnittene Weißbrotscheiben, Margarine, Salat aus Gurken und Tomaten, Lauch, sehr salzigen Käse, selbst gemachte Marmelade aus mit Cornellkirschen und Waldfrüchten und grobem Zucker, der zwischen den Zähnen knirscht (wie auch in der Türkei so gibt es auch hier sicher keinen Gelierzucker), Spiegeleier, Honig. Trinken tun wir natürlich Tee, bisher haben wir hier in Georgien nur Beuteltee gesehen, keinen losen Tee, schon gar keinen Samovar. Schade. Was man überall bekommt ist türkischer Kaffee so wie man ihn kennt. Nach dem Frühstück machen wir uns auf. Auf dem Dorfplatz wird man gleich angesprochen, ob man ein Taxi braucht. Wir wollen zu der berühmten Zminda-Sameba- Kirche und nicht wenige lassen sich auf den holprigen Wegen mit einem vierradgetriebnen Auto hochbuggsieren. Heute ist ja Sonntag und viele Einheimische sind mit uns zu Fuß unterwegs. Alle Keuchen und Schwitzen den steilen Weg hoch und man sieht immer die gleichen Gesichter, wenn man verschnauft, was auch die anderen in einem ähnlichen Rhythmus tun. Oben angekommen ist man voll entschädigt für die Mühen. Vor einem wunderbaren Bergpanorama steht diese kleine Kirche scheinbar völlig allein. Kein anderes Haus ist zusehen. Sie steht an einem Abgrund, hinter ihr ragt der Kasbek auf. Wir schauen die Kirche ersteinmal aus einiger Entfernung (aber nun schon auf gleicher Höhe mit ihr) an, weitläufige Almwiesen mit zahllosen bunten Blumen umgeben sie. Die Russen hatten von Kasbegi nach hier oben eine Seilbahn gebaut, die die Einheimischen nach kurzer Zeit zerstört haben, weil sie ihnen als dem Ort ungemäß erschien (kleine Mißverständnisse). Innen ist die kleine Kirche sehr schön, ein paar alte Fresken und Ikonen. Wir kaufen zum Sonntag eine etwas kräftigere Bienenwachskerze und stellen sie zu den vielen anderen. Draußen in der Sonne sitzen wir noch ein Weilchen mit den anderen “Pilgern”, steigen dann noch ein bißchen und finden ein gutes Plätzchen für unseren Apfel und unser Käsebrot. Steigen noch ein bißchen weiter dem Kasbek entgegen, vorbei an einer einzigen Blütenpracht, u.a. einer großen Fläche weiß blühender Azalen zwischen jungen Birken und Schneeresten. Wir gehen fast zwei Stunden zurück nach Kasbek immer bergab. Mir läuft die Nase wie verrückt, die Heuschnupfentablette hilft nicht und ich komme mehr und mehr zu dem Schluß, dass es eine Erkältung ist, Mine siehr ziemlich verbrannt aus. In Kasbegi setzen wir uns in eine Art Cafe. Einige Frauen kochen hier, Männer grillen, es gibt Bier und ein paar Sonnenschirme. Einige Leute sind bei selbstgemachtem Wein schon sehr guter Stimmung. Auch wir bekommen eine Kostprobe des Rotweins, der sehr gut ist. Wir loben ihn angemessen mit allen zur Verfügung stehenden Verständigungsmitteln, ein französisches Pärchen neben uns auch. Mine und ich bekommen aber den Zuschlag für den noch halb vollen Kanister bevor alle in den Kleinbus steigen. Wir sind etwas zögerlich mit unserem groß geratenen Geschenk schleppen es aber nach einigem Abwägen wie zu verfahren sei (stehenlassen? mitnehmen?) heim. Unterwegs kaufen wir am Kiosk noch ein bißchen Knaberzeug. Überall in den Läden rechnen die Menschen noch mit wunderbar abgegriffenen, gedunkelten großen Abakus.
Zum Abendessen gibt es Suppe mit Kartoffeln und Rindfleisch, Chebureki (Teigtaschen gefüllt mit Käse und roher geriebener Kartoffel in Pfanne gebacken), eingelegte Gurken, Salat mit Erbsen und Möhren und Kartoffeln und Ei, Aubergine mit Kartoffeln und Zwiebeln und Kerbel, Brot. Sitzen am Abend auf dem Sofa im Wohnzimmer und schreiben ein bißchen im Blog.

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