Werden auf dem Dorfplatz von Wassili angesprochen, der mit seinem Lada neben uns hält und gleich die Karte auf der Kühlerhaube ausbreitet. Wir möchten die Karte kaufen, er will eine Tour verkaufen mit sich als Fahrer. Wir versuchen uns als Fußgänger durchzusetzen, was schließlich gelingt. Wir laufen heute auf der georgischen Heerstraße in Richtung russische Grenze, gehen dabei durch die immer enger werdende Gariali Schlucht (entlang des Tergi Flusses). Es ist so gut wie kein Verkehr auf der Straße, ab und an kommt ein einzelnes Auto in gemessenem Tempo wegen der mäßigen Straßenverhältnisse. Einen Tunnel (nicht mehr als ein Loch im Berg, ohne Licht, von dessen Wänden und Decke es tropft) umgehen wir, da er uns unheimlich ist. Die Landschaft ist grandios. Die Straße ist oft direkt in den Fels gehauen, schlängelt sich an den Wänden der Berge entlang. Die Brücken sehen erbärmlich aus, an einer Stelle versucht man ein weiteres Abrutschen der Straße zu verhindern und die Böschung zu stabilisieren. Der Tergi zu unserer rechten tobt durch die Schlucht und man ist ganz taub von dem Geräusch. Wir kommen vorbei am Wasserfall in Geveleti, sehen von weitem den Gletscher an der Ostflanke des Kasbek (Devdoraki Glacier). Kurz vor der Grenze kommen uns vier ukrainische Laster entgegen, die gerade die Grenze passiert haben. Was für eine Strecke sie noch vor sich haben. Wir gehen bis zur Grenze, die unspektakulär ist. Dort sieht man auf der einen Seite Überreste von Tamars Castle auf der anderen Seite den aufwändigen Neubau einer großen Kirche (warum da?), zudem ein paar verlassene Buden, wo zu Zeiten als die Grenze belebter und frequentierter war, Essen und Trinken und Allerlei verkauft wurde. Schade, wir haben nix mehr davon. Nach einem Picknick geht es zurück. Ein Polizeiwagen hält neben uns und bietet an, uns mit zurück nach Kasbegi zu nehmen. Wir steigen zu und holpern bei lauter italienischer Musik die kurvige Strecke in Windeseile (Macho) zurück.
Im Ort gibt es eine “Bude”, wo ein paar Frauen Tee und Kaffee und Essen kochen. Wir trinken guten türkischen Kaffee und Mine hört am Nebentisch, dass einige Worte türkisch gesprochen werden. Im Vorübergehen wünscht sie den Leuten “Afiyet olsun”, “Guten Appetit” auf türkisch. Der Mann identifiziert Mine nach dem folgenden kurzen Dialog sofort als Türkin (er ist Azeri), springt auf, macht Anstalten Stühle für uns an den üppig gedeckten Tisch zu rücken und läd uns sofort zum Mitessen ein. So eine offene Freude eine(n) andere(n) Türken/in zu treffen. Ich bin echt beeindruckt von dieser überschwenglichen Liebenswürdigkeit, die ich besonders von den Türken kenne. Da war sie wieder. Im nächsten Urlaub geht es nach Azerbaidschan, es ist unübertrefflich, sich verständigen zu können (und das geht ja in Azerbaidschan mit türkisch)! Gehen noch ein bißchen durch den Ort und dann heim. Zum Abendessen gibt es: Suppe mit Walnußkernen, gebratene rohe Kartoffeln mit Soße aus saurer Sahne, kaltes Huhn, Brot, Rotwein. Trinken den geschenkten Wein mit Kacha und später mit Luisa. Singen noch ein bißchen für Luisa auf deutsch und türkisch.
Donnerstag, 24. Juni 2010
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