Frühstück um 7:30 Uhr: Gebratene Nudeln, Mini-Maultaschen mit Fleischfüllung, Rührei, dicker süßer Schmand, Apfelmarmelade, Käse, Brot, Tee. Kurz nach acht geht es los, unser Fahrer holt uns ab. Es geht in den Klosterkomplex Dawit Garedscha an der aserbaidschanischen Grenze. Wir haben die Bergstiefel an, da vor giftigen Vipern gewarnt wird. Wir haben einen jungen, sehr netten Fahrer (wie sich im Verlauf des Tages herausstellt) mit dem wir aber in keiner gemeinsam gesprochenen Sprache Worte wechseln können. In zügigem Tempo geht es bergab. Beim Verlassen von Signagi wunderbarer Blick in das unter uns gelegene Alasani-Tal, eine weite Ebene mit den dahinter gelegenen schneebedeckten Bergen des großen Kaukasus. Wir fahren runter von dem Höhenzug, der Kachetien längs durchzieht und kommen in die Ebene, die der Lori durchzieht, dann geht es durch eine fast menschenleere Landschaft leicht bergan in Richtung der Halbwüste an der aserbaidschanischen Grenze. Die Landschaft ist toll. Grüne Hügel ohne Baum und mit wenig Sträuchern, als habe die Erde gekocht und sich grün aufgeworfen. Überall blühen zu dieser Jahreszeit Blumen in der Graslandschaft. Irgendwann steht man vor einem zunächst unspektakulär wirkenden Kloster: der Klosterteil Lavra wurde von Dawit Garedscha gegründet, einem der 13 syrischen Christen, die im 6. Jahrhundert nach Georgien kamen, um hier zu missionieren. In der Region wurden dann nach und nach mehr und mehr Klöster gegründet und auch eine Malschule für Fresken. Die Mongolen zerstörten das Kloster 1265, Timur im 14. Jh. und 1615 wurden hier 6000 Mönche von den Truppen von Schah Abbas ermordet. Später war das Areal Übungsgelände der Sovietarmee, was große Proteste der georgischen Bevölkerung verursachte (zu Zeiten der Perestroika). Nachdem die Sovietarmee abgezogen war, zogen widersinnigerweise die georgischen Streitkräfte ein. Seit 1990 wird Dawit Garedscha wieder als Kloster benutzt. Natürlich ist es superwichtig für die Georgier. Aber die Aserbaidschanis stellen auch Ansprüche an dieses Fleckchen Land (warum?). Wir gingen dann den Hügel hoch, an den das Kloster gebaut ist, um auf der anderen Seite der Kuppe zu dem Klosterteil Udabno zu kommen. Der Ausblick nach Aserbaidschan ist auch grandios, eine weite Ebene dann wieder hohe Berge im Hintergrund. Wir sehen in den Felsen gehauene Kapellen und Kirchen mit Resten von Fresken. Leider ist viel zerstört durch Witterung und Menschenhand, Dennoch ist man erstaunt wie viel Ausdruck man in den dargestellten Szenen erkennt, obwohl nur noch Schemen vorhanden sind. Wir sehen zwei der erwähnten Schlangen (live), die über den Weg huschen, eine ist ziemlich dick und lang und wir erschrecken uns jedes mal sehr, wie auch die Schlangen, die natürlich immer flüchten. Wir lassen uns auf dem Rückweg schon vor Signagi absetzen und laufen in den Ort, genießen nochmals den Ausblick. Trinken Kaffee in unserem bekannten Restaurant. Mine wird wieder geküsst von der netten Frau im Restaurant, weil sie immer wieder versucht georgische Brocken zu produzieren. Sie kündigt uns auf diese Weise für den Abend an. Wir gehen in das sehr schöne ethnographische Museum der Stadt mit archäologischen Funden der Umgebung und schöner Beschriftung auf englisch, einer Abteilung für europäische Malerei mit einem echten Lucas Cranach (der Ältere) und einem Honore Daumier sowie einer Abteilung des georgischen hochverehrten naiven Künstlers Nikolos Pirosmanischwili (Picasso hat ihn gezeichnet). Alles ist wunderbar aufbereitet und ansprechend drapiert. Danach gehen wir heim, duschen, waschen Wäsche und gehen dann essen. Wir bestellen Fisch (leider kalt) mit Essig und Koriander und Kerbel angemacht, dann Fleisch mit kleinen Kartoffeln gebacken im Tontopf, dann Kaschapuri mit massiver Käsefüllung. Dazu gibt es ein großes Glas lieblichen (leider!) Rotwein, den ich unvorsichtigerweise rasch leere, der Mine auf den Magen schlägt, was wiederum ihren Kopf schont. Das Essen in Georgien ist meist - so auch heute - mächtig, fettreich, fleischlastig und leider auch sehr lecker, so dass wir alles aufessen. Wir hoffen diese Cholesterinkur einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Sind guter Stimmung und haben für morgen wieder eine Tour organisiert.
Anmerkung: wir haben bisher keine Süßspeisen in den Restaurants entdeckt (und wir gucken wirklich), keine Konditoreien oder Bäckereien mit süßen Teilchen, Kuchen, Torten. Man kann in den kleinen Läden, in denen es alles gibt (Seife, getrockneten Fisch, Tee, Pralinen, Nudeln...), immer eine größere Ansammlung von offenen, nicht kleinen Kartons finden, mit Keksen, Waffeln etc., die kaufen die Leute und essen sie zum Tee zu Hause.
Samstag, 26. Juni 2010
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